Nachhaltigkeit ist für Porsche kein kurzfristiger Trend. Es ist als zentrales Thema fest in der Porsche Strategie verankert. Der Nachhaltigkeitsansatz basiert auf den sechs Strategiefeldern „Dekarbonisierung", „Kreislaufwirtschaft", „Diversität“, „Partner der Gesellschaft", „Nachhaltige Lieferkette" sowie „Transparenz und Kommunikation". Innerhalb dieser Strategiefelder übernimmt Porsche gesellschaftliche Verantwortung, indem das Unternehmen darum bestrebt ist nachhaltiges und wertschaffendes Wachstum zu fördern, die Umweltbelastungen zu reduzieren und die Fortschritte dabei kontinuierlich überprüfen.
Wie ist Nachhaltigkeit organisatorisch bei Porsche verankert?
Der Vorstand verantwortet gesamthaft die strategische Ausrichtung und legt die konkreten Nachhaltigkeitsziele fest. Der Porsche Nachhaltigkeitsbeirat, ein unabhängiges Gremium aus externen Fachleuten, steht beratend und impulsgebend zur Seite. Die Abteilung „Nachhaltigkeit“ verantwortet die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie und entwickelt sie kontinuierlich weiter. Sie setzt Nachhaltigkeitsprojekte um und steuert die Nachhaltigkeitsgremien der Porsche AG.
Die Abteilung „Politik und Gesellschaft“ ist für die Nachhaltigkeitskommunikation und -berichterstattung, den Stakeholderdialog sowie das Stakeholdermanagement zuständig und bildet zudem die Schnittstelle zum Porsche Nachhaltigkeitsbeirat. Verschiedene Gremien und Teams legen ferner Nachhaltigkeitsprioritäten und Tätigkeitsschwerpunkte fest. Diese bündeln sie in unternehmensübergreifenden Maßnahmen.
Mit der zunehmenden Elektrifizierung steigt auch der Bedarf an Lithium für Hochvolt-Batterien. Wie engagiert sich Porsche für einen umwelt- und sozialverträglichen Abbau des Rohstoffs?
Um seine menschenrechtlichen und umweltbezogenen Sorgfaltspflichten wahrzunehmen, nutzt Porsche als Managementansatz das „Responsible Supply Chain System“ (ReSC).
Ziel ist es, aufbauend auf einer systematischen Risikoanalyse menschenrechtliche und umweltbezogene Risiken entlang der Lieferketten zu identifizieren und zu vermeiden bzw. zu minimieren. Es soll außerdem helfen, Verstöße zu beenden und die Nachhaltigkeitsleistung der Zulieferer kontinuierlich zu verbessern.
Das ReSC-System setzt bereits vor dem Zustandekommen einer Vertragsbeziehung ein und damit auch vor der konkreten Vereinbarung von Lieferzeiten und Einkaufspreisen. Porsche ermittelt gemeinsam mit dem Volkswagen Konzern die Nachhaltigkeitsrisiken, die sich durch seine unmittelbaren Geschäftsbeziehungen ergeben können. Anlass- und risikobezogen werden auch mittelbare Zulieferer mitberücksichtigt.
Porsche beteiligt sich zudem seit 2020 am Branchendialog Automobilindustrie des "Nationalen Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte" der deutschen Bundesregierung (NAP). Eines der Ergebnisse des Branchendialogs war eine Grundlagenstudie zu Menschenrechtsrisiken in der Lithiumproduktion, die auf einer Analyse der wichtigsten Lithium-produzierenden Länder basiert. Auf der Grundlage dieser Arbeit wurden im Rahmen des Branchendialogs Automotive Empfehlungen für verantwortungsvolle Praktiken auf der Ebene des Bergbaus und der nachgelagerten Unternehmen entwickelt, an deren Erstellung und Bekanntmachung Porsche mitgewirkt hat.
Im Jahr 2020 initiierte der Volkswagen Konzern gemeinsam mit mehreren Industriepartnern die "Responsible Lithium Partnership in Chile". Durch diese Initiative konnte der Volkswagen Konzern den Dialog fördern und Beiträge zu den Herausforderungen der betroffenen lokalen Stakeholder sammeln. In Zusammenarbeit mit verschiedenen professionellen Partnern will Porsche auch seine bestehenden Recyclingprozesse verbessern, um den Anteil der im Kreislauf befindlichen Rohstoffe zu erhöhen und diese Materialien in neuen Batterien wiederzuverwenden.
Was macht Porsche mit Hochvolt-Batterien, wenn diese nicht mehr im Fahrzeug verwendet werden können?
Porsche hat das Ziel, die Nutzung von Hochvoltbatterien möglichst lange aufrecht zu erhalten. Wertvolle Rohstoffe und Materialien bleiben dadurch länger in Verwendung. Damit verbessert sich ihre CO₂-Bilanz. Das oberste Ziel ist, dass die Hochvolt-Batterie über das gesamte Fahrzeugleben hinweg ohne Beanstandung genutzt werden kann. Sollte es dennoch einmal zu einem Defekt kommen, ist die 1:1-Reparatur der Hochvolt-Batterie durch Austausch des defekten Bauteils (wie bspw. ein Batteriemodul) die nachhaltigste Lösung.
Darüber hinaus verfolgt Porsche weitere Möglichkeiten zur langfristigen Nutzung der Batterie-Ressourcen. Künftig wird neben der Reparatur auch auf die Wiederverwendung von Zellmodulen als ressourcenschonende Möglichkeit zur langfristigen Nutzung im Fahrzeug gesetzt. Die Aufbereitung von Ersatzteilen ist ein etablierter Standard in der Automobilindustrie (z.B. Getriebe, Motoren etc.) und wird auch bezogen auf die Hochvolt-Batterien künftig eine wichtige Rolle spielen.
Dies sorgt für Kosteneffizienz auf Kundenseite („zeitwertgerechte Reparatur“) und erhält wertvolle Ressourcen, die bei der Herstellung neuer Batterien entstehen. Zellmodule, die sich nicht mehr für einen Einsatz im Fahrzeug eignen, können für „2nd-Life-Anwendungen“ eingesetzt werden, etwa als Industrie- bzw. Heimspeicher.
Erst wenn alle Möglichkeiten zur Nutzung der Zellen und Module ausgeschöpft sind, werden sie dem Recycling zugeführt. Dabei wird weiterhin großer Wert daraufgelegt, dass die Rohstoffe der Hochvolt-Batterie nahezu vollständig wieder in den Kreislauf der Batterie-Produktion eingebracht werden können.
Die Automobilindustrie ist traditionell eine männerdominierte Branche. Wie fördert Porsche Frauen im Management?
Porsche ist es wichtig, eine Unternehmenskultur zu fördern, in der jeder willkommen ist und seine Fähigkeiten bestmöglich einbringen kann. Dafür sollen z. B. die gemischte Zusammensetzung der Teams in der gesamten Organisation erhöht werden – mit dem Ziel, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen.
Porsche möchte den Anteil von Frauen in Führungspositionen bis 2030 deutlich erhöhen: Auf Unternehmensebene soll der Anteil von Frauen in der ersten und zweiten Führungsebene unterhalb des Vorstands auf 28 Prozent bzw. 22 Prozent gesteigert werden. Ende 2025 lag der Anteil von Frauen bei Porsche in der ersten Führungsebene bei 29,1 Prozent (2024: 22 Prozent) und in der zweiten Führungsebene bei 18,7 Prozent (2024: 18,8 Prozent). Das Unternehmen ist bestrebt den Frauenanteil auf allen Ebenen im Management kontinuierlich zu erhöhen.
Welchen Stellenwert hat soziales Engagement für Porsche?
Porsche engagiert sich im Rahmen des Nachhaltigkeitsstrategiefelds „Partner der Gesellschaft“ für eine Vielzahl gemeinnütziger Initiativen in zahlreichen Ländern. Der Sportwagenhersteller unterstützt aktiv Corporate-Citizenship-Projekte, Spendenaktionen und gesellschaftliche Aktivitäten, die auch denjenigen Menschen zugutekommen sollen, deren Lebensumfeld direkt oder indirekt mit Porsche verbunden ist. Vor allem junge und benachteiligte Menschen, die in unterschiedlicher Form mit schwierigen Lebensumständen konfrontiert sind, sollen durch gezielte Förderung und Ausbildung ihre persönliche Lebenssituation langfristig verbessern.
Wie stellen Sie Nachhaltigkeitskriterien in Ihrer Lederlieferkette sicher?
Porsche unterstützt die Bestrebungen der unmittelbaren Zulieferer nach mehr Transparenz und Rückverfolgbarkeit in ihren Lieferketten. Ein Lastenheft für Leder verpflichtet unmittelbare Zulieferer zu einer verantwortungsvollen Produktion und Verarbeitung, u. a. im Hinblick auf die Vermeidung von Wasserverschmutzung (z. B. beim Gerbprozess). So müssen bspw. unmittelbare Lederzulieferer das Herkunftsland der Rohware offenlegen sowie ein lederspezifisches Nachhaltigkeitszertifikat der Leather Working Group (LWG) nachweisen. Wenn Rohhäute oder vorgelagerte Materialien aus Ländern mit hohem Risiko bezogen werden (etwa im Hinblick auf Abholzung oder die Verletzung von geschützten Gebieten), muss der Lieferant erweiterte Sorgfaltspflichten umsetzen. Dazu gehören Audits bei Unterlieferanten, die Beschaffung aus zertifizierten Quellen oder der Einsatz geeigneter Geo-Fencing-Systeme. Diese müssen Porsche nachgewiesen werden. Darüber hinaus ist die Verwendung von Rohhäuten, Leder oder vorgelagerten Materialien, die mit illegaler Abholzung in Verbindung stehen, ausdrücklich ausgeschlossen. Eine Bestätigung der Anforderungen des Lastenhefts muss zum Vergabezeitpunkt vorliegen.